79567981 Unser Weg an die Uni – here in Bochum

Unser Weg an die Uni

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Auf dem Weg ins Studium

– ein Beitrag von Mareike

Viele Geflüchtete in Bochum möchten hier ein Studium beginnen oder fortführen. Die „here“-Redakteure Ahmad, Shareef, Amin und Ahmad haben bereits die ersten Schritte auf dem Weg an die Hochschule unternommen. Im Interview berichten sie von ihren Erfahrungen und geben Tipps für den Start ins Studium.

Euer großer Traum ist es, in Deutschland zu studieren. Was ist denn euer Wunschberuf? Und was möchtet ihr studieren?

Ahmad M.: Es ist in der Tat mein großer Traum, in Deutschland studieren zu können – ich möchte später einen gutbezahlten Beruf ausüben. Der Traum erfordert viel Mühe und Geduld. Besonders, wenn man nicht in seiner Muttersprache studiert.

Amin: Ich möchte gerne an der Fachhochschule Dortmund Software- und Systemtechnik studieren. Am liebsten in Form eines dualen Studiums.

Shareef u. Ahmad H.: Es ist alles andere als leicht, einen Studienplatz für Medizin an einer deutschen Universität zu bekommen. Man braucht einen perfekten Abi-Schnitt und für uns kommt noch die Sprachbarriere als weiteres Hindernis hinzu.

Habt ihr schon in Syrien studiert und wenn ja, wo und was?

Ahmad M.: Ich habe in Syrien an der Universität Damaskus Rechnungswesen an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften studiert. Dabei habe ich erfolgreich einen ersten Abschluss machen können. Mein Ziel war es, einen Magister in Buchhaltung oder einen Abschluss als Certified Management Accountant (CMA) zu erlangen. Leider war mir beides wegen der Kriegsumstände in Syrien nicht vergönnt.

Amin: Ich habe in Syrien zwei Jahre Netzwerktechnik am Höheren Institut für Computerwissenschaften an der Universität Aleppo studiert.

Unterscheidet sich das Studium und das Uni-Leben in Syrien vom dem in Deutschland?

Ahmad M.: Hier in Deutschland gibt es wesentlich mehr Optionen und Spezialisierungs-möglichkeiten, was meine Studienfachrichtung betrifft. Auf die praktische Durchführung wird auch viel mehr Wert gelegt als in Syrien. Dort ist vieles zu theorielastig.

Amin: In Deutschland kann man auf verschiedenen Wegen zu einem Hochschulabschluss kommen. Dabei muss man nicht zwangsläufig an einer Universität studieren, sondern auch an einer Fachhochschule. Gerade der Praxisbezug an der Fachhochschule hat mich beeindruckt. Zudem besteht hier eine wesentlich größere Auswahl an Vertiefungsmöglichkeiten. Ich finde es schön, dass man an der Universität Menschen aus anderen Ländern kennenlernen kann. An der Universität Aleppo gab es viele Studenten, die aus den verschiedensten Städten aus Syrien kamen. Ich habe noch immer sehr viele und schöne Erinnerungen an meine Studienzeit mit vielen tollen Bekanntschaften.

 
 


Eine der wichtigsten Grundlagen für ein Studium in Deutschland ist die Sprache. Welche Sprachkurse besucht ihr?

Ahmad M.: Ich finde, dass es eine gute Idee ist, wenn spezielle Sprachkurse an der Universität angeboten werden. Man wird dazu qualifiziert, Diskussionen zu führen und sich besser auszudrücken. Das finde ich schon für den Tagesablauf wichtig und für das Universitätsleben noch wichtiger.

Shareef u. Ahmad H.: Viele Universitäten haben Programme zur Förderung von Geflüchteten. Die Ruhr-Universität hat das Integra-Programm. Wir haben den B1-Kurs in Integra-12 besucht und lernen nun in Integra-24 weiter.

Welche Angebote an der Universität gefallen euch am besten? Was macht euch besonders viel Spaß?

Ahmad M.: Die Ruhr-Uni bietet eine Reihe von Angeboten, die es Geflüchteten ermöglicht, sich in das Uni-Leben zu integrieren. Dazu gehört z. B. auch das Sprachcafé. Was mir jedoch am meisten imponiert hat, ist das Study-Buddy-Programm des AStA. Hierbei hilft ein Student einem neuen Studenten, sich hier zurechtzufinden. Dazu gehören gemeinsame Aktivitäten, wie z.B. Kochen oder Ausflüge. Meine neuen Deutschkenntnisse kann ich ganz praktisch direkt anwenden.

Amin: Mir gefällt das Sprachcafé am meisten. Dort kann man nicht nur die korrekte Aussprache üben, sondern auch sehr leicht neue Kontakte mit Deutschen knüpfen.

Welche Tipps könnt ihr anderen Geflüchteten geben, die in Deutschland studieren möchten?

Ahmad M.: Den Tipp, den ich allen mitgeben möchte, ist das Erlernen der deutschen Sprache. Sie ist der Schlüssel für alle Türen hier in Deutschland.

Amin: Viel Geduld und eine ordentliche Portion Optimismus mitbringen.

Shareef u. Ahmad H.: Die Sprachkurse sind nicht nur dazu da, um weitere Zeugnisse zubekommen. Im Vordergrund steht die Beherrschung der deutschen Sprache, um in den Vorlesungen genau wie die deutschsprachigen Kommilitonen alles verstehen zu können.

Wie geht es für euch weiter? Was sind die nächsten Schritte?

Amin: Der nächste Schritt ist meine Anmeldung an einem Studienkolleg. Nach einer einjährigen Vorbereitungsphase am Kolleg könnte ich dann endlich mein Studium anfangen.

 
 
– Fotos von Nora