79567981 Nour bei der Seebrücke Demonstration – here in Bochum

Nour bei der Seebrücke Demonstration

Alaa Ibrahim-feature
Alaas Weg nach Bochum
April 5, 2019
Fanar feature
Fanar und Seine Frau: Eine Flucht Übers Meer
April 8, 2019
 

„Ich bin immer stärker als meine Ängste“

Nour sprach bei der Seebrücke-Demonstration

 
 

Rund 5.500 Menschen demonstrierten Anfang Oktober in Bochum für Seenotrettung und die Aufnahme von im Mittelmeer geretteten Geflüchteten. Aufgerufen hatte dazu die „Seebrücke Bochum“ unter dem Titel „Stoppt das Sterben! Gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung, für sichere Fluchtwege“ (Fotos auf Seiten 8–9). Die Mischung aus Redebeiträgen, Gesang und Musik beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Blickpunkten. Auch unsere Redakteurin Nour kam zu Wort.

Die Seebrücke Bochum ist ein Bündnis aus lokalen Initiativen, Vereinen und Parteien. Sie hat sich nach dem Vorbild der „Seebrücke“ gegründet, einer internationalen zivilgesellschaftlichen Bewegung, die sich mit Menschen auf der Flucht solidarisiert. Die Seebrücke setzt sich für sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme der Menschen ein, die fliehen mussten oder noch auf der Flucht sind. Während der großen Demonstration in Bochum hielten Vertreter verschiedener Organisationen Kurzstatements. Nour sprach auf der Bühne für das here-Magazin:

 
 

„Ich bin Nour. Ich komme aus Syrien und ich arbeite ehrenamtlich für das here-Magazin. Ich bin alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Damit meine Kinder in Sicherheit aufwachsen können, musste ich meine Heimat verlassen. Ich wusste, wie gefährlich der Weg ist, aber ich hatte keine Wahl: Ich musste die Todesroute nehmen und auch den Weg über das Mittelmeer. Das Boot ist untergegangen, weil es ein Loch hatte. Mein Sohn konnte schon schwimmen, meine Tochter nicht.

Wir haben noch vier weitere Male versucht über das Mittelmeer zu kommen und haben es beim fünften Mal geschafft. Wir haben sehr großes Glück gehabt. Und dafür bin ich sehr dankbar. Niemand hat es verdient im Mittelmeer zu ertrinken – kein Mann, keine Frau und auf keinen Fall Kinder! Wir sind alle Menschen mit Recht auf Leben. Hier in Bochum sind wir sicher und hier fühle ich mich wohl. Ich bin immer stärker als meine Ängste und will so bleiben. Heute bin ich dabei: gegen das Sterben!“

 
 

„I am always stronger than my fears“

Nour spoke at the Seebrücke demonstration

 
 

Around 5,500 people demonstrated at the beginning of October in Bochum for sea rescue and the reception of refugees rescued in the Mediterranean. The „Seebrücke Bochum“ had called for the demonstration under the title „Stop the dying! Against criminalization of sea rescue, for safe escape routes“ (photos on pages 8-9). The mix of speeches, singing and music examined the topic from different perspectives. Our editor Nour also got a chance to speak.

The Seebrücke Bochum is an alliance of local initiatives, organizations and parties. It was founded on the model of the „Seebrücke“, an international civic movement showing solidarity with all people seeking refuge. The Seebrücke advocates for safe escape routes, a decriminalization of civilian sea rescue operations and a humane accommodation of people who had to flee or are still on their flight. During the large demonstration in Bochum, representatives of various organizations gave short statements. Nour spoke on the stage for the here- magazine:

 
 

„I am Nour. I‘m from Syria and I volunteer for the here magazine. I am a single mother of two children. In order for my children to be able to grow up in safety, I had to leave my home. I knew how dangerous the journey was, but I had no choice. I had to take the death route and the passage across the Mediterranean. The boat went down because it had a leak. My son could already swim, but not my daughter.

We tried to cross the Mediterranean four more times and made it the fifth time. We were very lucky. And I‘m very thankful for that. No one deserves to drown in the Mediterranean - no man, no woman and no children! We are all people with a right to life. Here in Bochum we are safe and here I feel good. I am always stronger than my fears and I want to stay that way. Today I am here: against the dying!“