79567981 Momens Weg nach Bochum – here in Bochum

Momens Weg nach Bochum

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Die einzige Möglichkeit war die Flucht

– eine Story von Momen


 
 
Momen verließ mit seinem großen Bruder Syrien und hoffte darauf, seine Eltern und den kleinen Bruder bald wiederzusehen

Es war im August 2015, als ich aufgrund der schlechten Situation und der Probleme aus meinem Dorf in der Nähe von Damaksus fortging. Ich fühlte, dass ich keine Chance zum Erwachsenwerden, zum Lernen und zum Erreichen meiner Ziele hatte – ohne dass der Krieg mich zum Aufgeben zwingt, ohne dass ich mich immer verstecken muss. Denn dann würde ich meine Ziele vergessen.

Jugendliche und Erwachsene bis etwa 40 Jahre leben besonders gefährlich im syrischen Krieg. Deshalb bin ich zusammen mit meinem älteren Bruder Wessam geflohen. Unser Ziel war Deutschland, denn dort studiert unser anderer Bruder Nawar. Unseren Vater, unsere Mutter und unseren kleinen Bruder mussten wir in Syrien zurücklassen. Und der Traum war, dass sie auch nachkommen und dem Krieg entkommen.

Ich bin Momen und inzwischen 18 Jahre alt. Auf unserer Flucht aus Syrien begleitete uns auch unser Cousin. Wir fuhren in den Libanon, dann ging es mit dem Schiff in die Türkei. Bis dahin war unser Weg noch recht sicher. Wirwollten mit dem Boot über das Mittelmeer nach Griechenland. Doch erst beim zweiten Versuch schafften wir es. Mazedonien, Serbien und Ungarn durchquerten wir per Bus, Auto und zu Fuß. In Ungarn wurden wir vier Tage lang festgehalten. Doch dann erreichten wir Österreich und dann Deutschland. Unsere Flucht dauerte 17 Tage. Der Weg war natürlich sehr schwer und anstrengend, aber als wir hier angekommen sind, waren wir sehr glücklich.

Die ersten zwei Monate lebten wir in Zelten in der Nähe von Dortmund. Dann wurden wir nach Bochum gefahren, wo wir vier Monate mit 65 anderen Geflüchteten in einer Turnhalle wohnten. Danach lebte ich mit meinem Bruder in einer Wohngemeinschaft mit anderen Personen.

Als alles für mich hier gut lief und ich die Aufenthaltserlaubnis bekam, habe ich angefangen, die Papiere und die Anträge zu stellen in der Hoffnung, dass meine Eltern und mein kleiner Bruder bald nachziehen können.

Aber natürlich braucht das alles Zeit. Meine Familie fing an sich vorzubereiten – mein Vater fing sogar einen Deutschkurs an und wollte in Syrien Deutsch lernen. Er hat mich ab und zu nach Wörtern und Bedeutungen gefragt.

Aber leider kam im März 2017 der große Schock: Mein Vater ist gestorben. Er ist gestorben und niemand hat es geglaubt. Alle waren schockiert. Denn mein Vater hatte nichts, keine Krankheit, nichts! Alles war in Ordnung mit ihm. Aber es ist passiert und wir mussten das glauben.

Es blieb mir nur hoffen, dass ich meine Mutter und meinen Bruder bald sehen konnte. Aber die Wartezeit war sehr lang für uns. Im Juli bekamen wir E-Mails und Telefonate von der deutschen Botschaft. Das war ein gutes Zeichen,und im letzten Telefonat wurde meiner Mutter gesagt, dass sie die Reisepässe zur Botschaft schicken solle, damit sie die Visa bekommt. Aber als die Pässe zurückkamen, gab es nur ein Visum – für meine Mutter. Mein Bruder hatte eine Ablehnung bekommen und das war wieder ein großer Schock für uns alle. Meine Mutter stand vor einer schwierigen Entscheidung: Sollte sie mit meinem elfjährigen Bruder im Krieg bleiben oder zu uns kommen und ihr jüngstes Kind in Syrien zurücklassen? Meine Mutter kam – sowohl mit Traurigkeit als auch mit Freudentränen – nach Deutschland und hoffte, dass sie schnell ihren Sohn nachholen kann.

Stress im Kopf... hin und her... drei Monate lang nur nachdenken und Versuche, Lösung zu finden. Ich habe Rechtsanwälte und Berantungsorganisationen nach Lösungsmöglichkeiten gefragt, aber keiner konnte helfen. Aber jetzt haben wir es endlich mit Hilfe der Ausländerbehörde in Bochum geschafft, dass mein kleiner Bruder auch ein Visum bekommt. Jetzt sind wir wieder eine Familie, hier in Bochum. Mein kleiner Bruder landete Ende November mit dem Flugzeug in Düsseldorf. Die anderen Bewohner sind nach und nach aus unserer Wohngemeinschaft ausgezogen, so dass meine Mutter, meine beiden Brüder und ich eine eigene Wohnung haben. Ich bin glücklich, dasswir alle in Sicherheit und nicht mehr getrennt sind.

Ich ging von Februar 2016 bis Juli 2017 in die Schiller-Schule in Bochum. Ich fand diese Schule sehr gut. Ich habe dort viele Freunde kennengelernt. Die Lehrer und die Schüler sind sehr nett und haben mir geholfen, Deutsch zu lernen. Ich habe dort die 9. Klasse als Gastschüler absolviert und hatte auch Sprachunterricht mit anderen Freunden aus verschiedenen Ländern. Ich mag sie alle sehr und auch meine Lehrerin Frau Stursberg, der ich ganz herzlich danken möchte. Ich will unbedingt das Abitur schaffen. Weil mein Deutsch aber noch nicht gut genug war, wechselte ich an die Maria-Sybilla-Marian-Gesamtschule. Dort habe ich noch ein Jahr Zeit, bis das Abitur beginnt. Danach will ich Architektur studieren. Ich möchte selbstständiger Architekt werden, ich möchte die Welt sehen und in anderen Ländern arbeiten – vielleicht auch in Syrien.