79567981 Migratory Birds: Menschen Über Grenzen Verbinden – here in Bochum

Migratory Birds: Menschen Über Grenzen Verbinden

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Menschen über Grenzen hinaus verbinden

here tauscht sich mit griechischem Projekt aus

 
 

Ziel unseres Magazins „here in Bochum“ ist es, in Bochum lebende Geflüchtete mit den Bochumer Bürgern zu verbinden, die Integration zu fördern und durch Journalismus sichtbar zu machen. Ein griechisches Magazin namens „Migratory Birds“ verfolgt das gleiche Ziel, und wir freuen uns, einen ihrer Artikel von Mahdiah Hossaini, einer jungen afghanischen Geflüchteten im Lager in Schisto bei Athen, veröffentlichen zu können und so Menschen über Grenzen hinweg zu verbinden.

Ziel des Projekts „The Young Journalists“ ist es, jugendliche Geflüchtete sowie Migrantinnen und Migranten bei der Integration in Griechenland zu unterstützen, indem sie in die Grundlagen des Journalismus eingeführt werden und so einer Altersgruppe eine Stimme zu geben, die sonst nur selten in den Medien Gehör findet. Die mehrsprachige Zeitung „Migratory Birds“ und das Webradio „Dandelion“ werden von in Griechenland lebenden Geflüchteten, Migranten und griechischen Jugendlichen produziert.

Bis heute haben 227 jugendliche Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren aus Afghanistan, Syrien, Iran, Pakistan, Irak, Kuwait, Tschad, Bangladesch und Griechenland an dem Programm teilgenommen und zusammengearbeitet, um den interkulturellen Dialog zu fördern.

Die Zeitung „Migratory Birds“ und das Webradio „Dandelion“ werden vom Netzwerk für Kinderrechte in Athen, Griechenland (2017), dank der Zusammenarbeit und Unterstützung von UNICEF produziert. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe und dem deutschen Auswärtigen Amt finanziert.

Die Artikel der Zeitung „Migratory Birds“ gibt es auch online (nur auf Englisch): https://narratio.org/readmigratorybirds Weitere Informationen über das Network for Children’s Rights finden Sie hier: www.ddp.gr/whoweare-3

Text: Mareike

 
 

Ein Brief an Frau Merkel

Die junge Afghanin Mahdiah Hossaini spricht in Migratory Birds über ihre Wünsche nach einer gerechteren Flüchtlingspolitik

Ich schreibe diesen Brief in der Hoffnung, dass die Flügel der „Migratory Birds“ – was auf Deutsch Zugvögel bedeutet – ihn über die geschlossenen Balkangrenzen und in Ihre Hände tragen werden. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie diesen Gruß gerne erhalten, denn ich bin ein afghanisches Mädchen und verdiene es vielleicht, ausgewiesen zu werden, obwohl sich mein Land in der schlimmsten Situation befindet. Ich möchte Sie jedoch bitten, meinen Brief zu lesen und zu hören, was ich zu sagen habe.

Ich habe angefangen, Ihre Biografie zu lesen, um mehr über diese berühmte Frau zu erfahren, die sich so sehr für Migranten einsetzt. Als ich die Biografie las, stieß ich auf das Wort „Migrant“. Ich hatte keine Ahnung, dass auch Sie diese Erfahrung gemacht haben. Ich habe gelesen, dass Sie mit Ihrer Familie nach Westdeutschland ausgewandert sind, und ich denke, dass Sie noch Szenen dieser Reise in Erinnerung haben, obwohl Sie damals noch sehr jung waren. Das haben wir also gemeinsam, denn mich begleitet die Migration von einem sehr jungen Alter bis heute.

Als Frau bewundere ich Ihren Mut, die Idee einer offenen Grenze zum ersten Mal in Europa auf den Weg zu bringen. Es war ein humanitärer Schritt, der meinem Volk Hoffnung auf eine bessere Zukunft gab, etwas, das so weit entfernt schien, aber das Sie nähergebracht haben. Doch gerade als wir dachten, dass wir es erreicht hätten, wurde dieses Glücksgefühl immer schwerer fassbar. Am Ende wurde dem syrischen Volk diese Hoffnung angeboten, während die Afghanen mit Mauern und Stacheldraht zurückgelassen wurden.

Jetzt möchte ich Sie fragen, warum? Warum wurde die Idee einer offenen Grenze in geschlossene Grenzen umgewandelt? Warum hat diese humanitäre Aktion dazu geführt, dass tausende von Einwanderern und kriegsversehrten Flüchtlingen in Griechenland und entlang der Balkanroute bleiben müssen? Worin besteht der Unterschied zwischen einem afghanischen und einem syrischen Flüchtling? Vielleicht haben Sie tausende von syrischen Kindern gesehen, ihre Beschwerden gehört und sie nach ihren Erfahrungen im Krieg gefragt. Aber ich frage mich, ob Sie jemals mit einem afghanischen Kind gesprochen haben. Die Antwort, die ein syrisches Kind Ihnen gibt, ist etwa ein vierjähriger Krieg, während ein afghanisches Kind als Kriegsexperte zu Ihnen spricht. Es erzählt Ihnen vom 40-jährigen Krieg in Afghanistan, nicht von nur seinen eigenen Erfahrungen, sondern auch von denen seiner Eltern.

Allerdings bin ich kein grausamer Mensch. Ich sympathisierte und weinte um das syrische Kind und wünschte ihm alles Gute. Es hat den Krieg jedoch nicht so erlebt, wie ich, es wurde nicht außerhalb seines Heimatlandes geboren, es wurde nicht von Fremden im Ausland wie ein afghanisches Kind geächtet. Es ist aus seinem Land direkt in die Länder gekommen, in denen es willkommen ist. Ein syrisches Kind wurde, im Gegensatz zu einem afghanischen Kind, nicht von seinem Präsidenten gekauft und verkauft.

Ich möchte nicht undankbar erscheinen, denn ich weiß, dass Sie vor vielen Jahren tausende meiner Landsleute mit offenen Armen in Deutschland aufgenommen haben. Ich kenne den Grund für diese Veränderung nicht, aber sie bringt mir Tränen in die Augen. Mir wurde erzählt, dass Einwanderer in Deutschland ein starkes Gefühl des inneren Friedens verspüren, dass es wie eine Umarmung der Mutter ist, und ich frage mich, warum Sie mir diese Umarmung verweigern würden?

Ich bin mir nicht sicher, ob das Scheitern dieser Aktion auf die mangelnde Zusammenarbeit mit anderen europäischen Ländern zurückzuführen ist. Oder ob es an der großen Welle von Einwanderern lag, die, genau wie ich, gehört hatten, dass Deutschland die Kinder von Einwanderern schützt und ihnen die gleichen Rechte wie den deutschen Bürger gibt. Natürlich halte ich meine Meinungen aus sehr großer Entfernung fest.

Ja, ich konnte Ihre Gastfreundschaft und Ihre Menschlichkeit trotz der Kilometer, die uns trennen, spüren, und ich sehe selbst die Unterschiede – die eher psychologischer als finanzieller Natur sind – zwischen Einwanderern im Iran und Einwanderern in Deutschland. Es ist sehr lobenswert, dass ein Einwanderer in Ihrem Land den Frieden und die Sicherheit finden kann, die ihm in seinem eigenen Land verweigert wird.

Wenn Sie immer noch glauben, dass ich in mein Land zurückgeschickt werden sollte, dann müssen Sie es für sicher halten, also frage ich Sie, wenn es wirklich sicher ist, warum gibt es dort ausländische Truppen? Glauben Sie, dass eine sichere Nation die Unterstützung ausländischer Truppen braucht? Wie kann man Afghanistan als friedlich beurteilen, wenn es jeden Tag Dutzende von Explosionen und Selbstmordattentätern gibt?

Ich habe gehört, dass Sie die Einwanderer wiederholt unterstützt haben, dass Sie aber nicht die öffentliche Meinung hinter sich hatten. Leider sind die Menschen oft ungerecht, und ich möchte Ihnen von dem Leben erzählen, zu dem ich wegen dieser Ungerechtigkeit verurteilt bin. Ich spreche vom Leben unter freiem Himmel. Hier vergeht die Zeit langsam, ich weiß nicht, wie es ist. Hier sind die alten Erinnerungen, die sich immer wieder wiederholen, anstrengend geworden, ich weiß nicht, wie es dort ist. Wenn es diese Ungerechtigkeit nicht gäbe, hätten meine Eltern vielleicht die Bitterkeit der Migration nicht noch einmal kosten müssen. Tausende von Kindern und Familien, die mit Unterstützung Deutschlands und seiner Kanzlerin auf eine bessere Zukunft hofften, hätten ihr Leben nicht verloren.

Ich habe das alles nicht geschrieben, um mich über die Entfernung zu beschweren, sondern nur, damit Sie es lesen können. Und aus Gewohnheit sage ich: Wir sehen uns bald wieder!

 
 

Connecting People across Borders

here Connects With a Greek Refugee Project

 
 

The aim of our magazine “here in Bochum” is to connect refugees living in Bochum with the citizens of Bochum, to foster integration and to make it visible through journalism. A newspaper called “Migratory Birds” in Greece follows the same aim and we are happy to be able to publish one of their articles by Mahdiah Hossaini, a young Afghan refugee in camp in Schisto near Athens – thus connection people across borders.

The aim of the project called “The Young Journalists” is to assist refugee and migrant adolescents to integrate effectively in Greece by introducing them to the principles of journalism and to empower them by giving a voice through media for an age group, which is rarely heard outside the service providers. The multilingual newspaper “‚Migratory Birds” and radio shows for a web radio called “Dandelion” are produced by refugee, migrant and Greek youth residing in Greece.

Until today, 227 adolescent boys and girls, aged 14–18 years old, coming from Afghanistan, Syria, Iran, Pakistan, Iraq, Kuwait, Chad, Bangladesh and Greece, have participated in the programme and have worked together in order to promote broader inter-cultural dialogue.

The newspaper “Migratory Birds” and the web radio “Dandelion” are produced by the network for children’s rights, in Athens, Greece (2017), thanks to the cooperation and support of UNICEF. The project is funded by the European Commission’s civil Protection and Humanitarian Aid Operationsecho and the Foreign Federal Office of Germany.

Find the articles of the newspaper “Migratory Birds” online: https://narratio.org/readmigratorybirds
More information about the Network for Children’s Rights can be found here: www.ddp.gr/whoweare-3

 
 

A letter to Mrs Merkel

In Migratory Birds, Afghan girl Mahdiah Hossaini talks about her wishes for a fairer refugee policy

I am writing this letter in the hope that the wings of the “Migratory Birds” will carry it over the closed Balkan borders and deliver it into your hands. I’m not sure whether you will actually welcome this greeting, because I am an Afghan girl and perhaps I deserve to be deported, even though my country is in the worst possible situation. However, I would ask you to read my letter and hear what I have to say.

I started reading your biography in order to learn more about this famous lady who cares so much about migrants. As I was reading, I came across the word migrant. I had no idea that you had had that experience. I read that you had emigrated to East Germany with your family, and I think that there are still scenes of that journey in your mind, although you were very young at the time. So we have that in common, because I carry migration with me from a very early age right up till now.

As a woman, I admire your courage for launching the idea of an open border for the first time in Europe. It was a humanitarian move that gave my people hope for a better future, something that had been so remote but which you brought closer. Yet, just as we thought that we had grasped it, this feeling of happiness became more elusive. In the end, the hope was offered to the Syrian people while the Afghans were left with walls and barbed wires.

Now I want to ask you why? Why was the idea of an open border turned into enforced closed borders? Why did this humanitarian action result in thousands of immigrants and war-torn refugees remaining in Greece and along the Balkan route? What is the difference between an Afghan and a Syrian refugee? Perhaps you have seen thousands of Syrian children, heard their complaints and have asked them about their experiences of war. But I wonder if you have ever spoken with an Afghan child. The answer that a Syrian child gives you will be about a four-year war, whereas an Afghan child speaks to you as a war analyst. He tells you about the 40-year-old war in Afghanistan, not just his own experiences but also those of his parents.

That said, I‘m not a cruel person. I have sympathised and cried alone for the Syrian child and wished him well. However, he has not experienced war the way I have, he has not had to be born outside his homeland, he has not been ostracized by strangers abroad like an Afghan child. He has come from his country directly to countries where he is welcome. A Syrian child, unlike an Afghan child, has not been bought and sold by his president.

I do not want to appear ungrateful because I know that many years ago you welcomed thousands of my compatriots into Germany with open arms. I don’t know the reason for this change, but it brings tears to my eyes. I have been told that immigrants have a strong feeling of peace in Germany, that it is like a mother’s hug, and I ask myself why would you deny me that hug?

I’m not sure whether the failure of this action was due to the lack of co-operation from other European countries. Or perhaps it was due to the large surge of immigrants who had heard, just like me, that Germany protects the children of immigrants and they have the same rights as German citizens. Of course, I hold my opinions from a very great distance.

Yes, I could feel your hospitality and your humanity despite the kilometers that separate us, and I see for myself the differences – which are psychological rather than financial -between immigrants in Iran and immigrants in Germany. It is very commendable that an immigrant in your country has found the peace and security that is denied him in his own.

If you still believe that I should be sent back to my country, then you must consider it safe, so I ask you, if it really is safe, why are there foreign troops there? Do you believe that a safe nation requires troops? How can you judge Afghanistan to be peaceful when you have at least dozens of explosions and suicide bombers every day? I have heard that you have repeatedly supported immigrants, but that you didn’t have public opinion behind you. Unfortunately, people are often unjust and I want to tell you about the life I am condemned to lead because of this injustice. I am talking of life under canvas. Here time passes slowly, I don’t know what it is like there. Here the old memories that keep repeating themselves have become tiring, I don’t know about there. If this injustice didn’t exist, perhaps my parents wouldn’t have had to taste again the bitterness of migration. Thousands of children and families, who were hoping for a better future with the support of Germany and its first lady, would have not lost their lives. I have written all this not to complain about the distance but simply so that you can read it. And out of habit I say: See you again soon!