79567981 Shirawans Weg nach Bochum – here in Bochum

Shirawans Weg nach Bochum

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WAZ: Bochumer Magazin ausgezeichnet
Februar 12, 2017
Bildquelle: Wikipedia/Pereslavtsev
Der sechste Jahrestag der Syrischen Revolution
März 15, 2017
Shirawan und sein Sohn Ramin in Bochum
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Mein langer Weg nach Bochum

– eine Story von Shirawan


Ich bin Shirawan Rammo. Ich bin 31 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Söhne. Ich komme aus Syrien und bin kurdischer Abstammung. In Syrien war ich Student des Agraringenieurwesens und in meinem letzten Studienjahr an der Universität von Homs, als ich die Stadt 2012 wegen der andauernden Kriegszustände verlassen musste.

Kurze Rückkehr in die Geburtsstadt

Ich bin dann nach Qamischli, eine Stadt im tiefen Nordosten von Syrien, gezogen. Ursprünglich komme ich aus dieser Stadt, die mehrheitlich von Kurden bewohnt wird. Dort habe ich auch zwischenzeitlich als Lehrer für Biologie an einem örtlichen Gymnasium arbeiten können. Das Gymnasium befand sich in der Nähe meines Wohnorts. Die Lebensumstände und die Wirtschaftskrise im Land zwangen mich jedoch erneut zu einer Flucht.

Geburtstag feiern auf der Flucht

Diesmal floh ich in den Irak, in die autonome Region Kurdistan. Dort war ich zwei Jahre in Erbil als Hotelmanager tätig. Es kam zu Explosionen in der Nähe des Hotels, in dem ich arbeitete und in dem auch meine Familie mit mir wohnte. Aus Angst um meinen Sohn bin ich dann in die Türkei geflohen. Unter schwierigen Umständen haben meine Familie und ich die türkische Grenze überquert. Mein Sohn war damals elf Monate alt. Ich bin in der Türkei etwa drei Monate geblieben. In Istanbul haben wir den ersten Geburtstag meines Sohns gefeiert.

 

Die schmerzhafte Trennung von der Familie

Der Schleuser verlangte von uns einen hohen Betrag, den ich nicht aufbringen konnte. Ich habe daraufhin meine Familie zurück nach Syrien geschickt. Meine Familie sowie die meiner Frau wohnen nach wie vor dort. Ich habe mich dann alleine auf den schweren Weg nach Deutschland gemacht und auf der Flucht 10.000 € an einen Schleuser gezahlt. Doch damit nicht genug: Mehr als 3.000 € musste ich für Mahlzeiten, Hotels und Fahrtkosten aufbringen.

Ein beschwerlicher Weg

Es bedurfte unzähliger Versuche, bis ich endlich die türkische Grenze Richtung Europa überqueren konnte. Bei einem dieser Versuche mussten wir drei Tage in den Wäldern ohne Essen und Trinken ausharren. Wir mussten auf dem Boden schlafen, der Regen prasselte auf uns herab und wir zitterten vor Kälte.
Am 1. Oktober 2014 bin ich in Passau in Deutschland angekommen. Nach diversen Zwischenstopps in München und Garmisch-Partenkirchen kam ich dann nach Berchtesgaden. Dort habe ich viele deutsche Freunde kennengelernt. Sie haben mir sehr geholfen und waren immer freundlich zu mir. Ich werde sie nie vergessen. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei der deutschen Polizei bedanken. Sie hat uns sehr freundlich empfangen, ohne uns das Gefühl von Angst zu vermitteln.

Endlich in Bochum vereint

Über die Familienzusammenführung sind dann meine Frau und mein Sohn zu mir nach Deutschland gekommen. Wir sind nach Bochum gezogen und leben hier seit dem 22. Februar dieses Jahres. Im Oktober ist hier unser zweiter Sohn geboren worden. Das Ziel von mir und meiner Frau ist es, unser Studium an der Ruhr-Universität Bochum abzuschließen oder einen guten Job zu finden. Bochum zeichnet sich durch seine zentrale Lage in einer Metropolregion aus, wodurch sich höhere Jobchancen ergeben. Bochum ist eine schöne Stadt.

Pläne für die gemeinsame Zukunft

Ich versuche immer mit Menschen in Kontakt zu kommen. Ich finde es wichtig, Menschen hier näher kennenzulernen, mich zu integrieren und Gedanken auszutauschen. Wir haben hier keine Probleme in Bochum, auch nicht mit anderen Ethnien. Wir suchen nur nach Menschlichkeit, nach Sicherheit. Ich habe meinen B1-Sprachkurs beendet und besuche aktuell eine B2-Kurs.
Gerne würde ich ein Praktikum als Dolmetscher machen für die Sprachen Deutsch, Arabisch und Kurdisch. Danach möchte ich eine Arbeit in einem Agrar-Unternehmen oder einem Hotel finden. Ich habe nämlich Erfahrung im Hotelmanagement an der Rezeption und sogar als Supervisor. Meine Frau war vor unserer Flucht in ihrem letzten Studienjahr an der Universität Damaskus. Sie studierte Anglistik und hatte noch vier Klausuren offen. Sie wünscht sich die Fortführung ihres Studiums hier in Deutschland.

Ein ehrlicher Dank zum Schluss

Danke an alle, die uns geholfen haben. Danke an Deutschland, weil es seine Türen für uns geöffnet hat und uns Schutz und Sicherheit gibt. Danke an alle Deutschen, die uns freundlich menschenwürdig behandeln. Danke an das „here“-Projekt, weil es uns die Kommunikation ermöglicht und wir andere Menschen kennenlernen können. Danke!
 
 
Shirawan als Hotel-Manager in Syrien
Shirawan bei seiner Ankunft in Berchtesgaden
Shirawan und sein Sohn Ramin in Bochum