79567981 Freunde fürs Leben? Diskutieren erwünscht! – here in Bochum

Freunde fürs Leben? Diskutieren erwünscht!

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here-Redakteure fragten Festivalgäste, wie Geflüchtete in Deutschland Freunde finden können



„Bochum ich komm aus Dir“ – aber für das Campfire-Festival kam das here-Team nach Dortmund. Drei Tage lang war die Redaktion in Zelt Nummer 6 vor Ort, schrieb Artikel, führte Interviews und machte Fotos, um eine Sonderausgabe des here-Magazins zu produzieren.

Die here-Redakteure kamen mit einem großen inhaltlichen Thema nach Dortmund: Ist Integration vielleicht doch nur eine Einbahnstraße, die nur von Geflüchteten durchlaufen werden soll? Immer wieder wird ihnen vorgebetet, dass sie sich integrieren, Deutsch lernen und an der deutschen Gesellschaft teilhaben sollen. Viele versuchen das sehr motiviert, verzweifeln aber häufig an der Realität. Wie kann Integration funktionieren, wenn der „Otto-Normalbürger“ sie ablehnt, ausgrenzt und am liebsten weit von seinem Privatleben fernhält? Wo und wie kann man als Geflüchteter Deutsche kennenlernen: im Fitness-Studio, in der Disco, an der Supermarktkasse? Die Redakteure fragten während des Festivals viele Besucher.

Am letzten Campfire-Tag stellten sie in einer Diskussionsrunde die Antworten vor und sprachen mit interessierten Gästen darüber. Eine junge Frau, die vor zehn Jahren von Shanghai nach Deutschland gezogen ist, konnte das Problem der here-Redakteure gut nachvollziehen: „Die Deutschen sind immer so eingespannt. Es ist anstrengend, sie näher kennenzulernen, wenn man nicht von hier ist. Ich glaube, viele haben gar nicht den Wunsch, neue Bekanntschaften zu machen.“ Schnell kam die Theorie auf, dass es auch für viele Deutsche inzwischen eine Herausforderung sei, neue Freunde zu finden. „Unsere Gesellschaft hat sich dahingehend sehr verändert“, meinte ein Mann, „es hat eine Verhärtung der Gesellschaft stattgefunden.“

Neben der theoretischen Diskussion kamen auch Vorschläge, wie Geflüchtete in Deutschland Freunde oder Bekannte finden können. „Es ist wichtig, gemeinsame Interessen zu teilen“, meinte ein Diskussionsteilnehmer, „jeder Geflüchtete bringt ja auch ein Leben mit hierher.“ Sport, Vereinsleben und Nachbarschaftspflege wurden genannt. Die Diskussionen zwischen den Geflüchteten als Gastgeber der Diskussionsrunde und den überwiegend deutschen Bürgern als Gäste der Veranstaltung verlief sehr interessant. Denn die Geflüchteten banden immer wieder ihre praktischen Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge in die Diskussion ein, die sie mit dem Thema Freunde bisher gemacht haben. Gerade der Rollenwechsel zwischen Gastgeber und Gast, Geflüchtetem und deutschem Bürger – zumindest für diese Veranstaltung – zeigte manchem Ratschlag-Geber, dass Theorie und Praxis hier nicht nahe beieinander liegen.