79567981 Fanar und Seine Frau: Eine Flucht Übers Meer – here in Bochum

Fanar und Seine Frau: Eine Flucht Übers Meer

nour-seebrücke
Nour bei der Seebrücke Demonstration
April 5, 2019
Maultaschen-edit
Kochen Verbindet: Chambourg und Maultaschen
April 8, 2019
 

„Der Fluss hat die Träume dieser Einwanderer genommen – jetzt ist ihr Leben dunkel“

Fanar und seine Frau wären beinahe auf der Flucht ertrunken

 
 

Es gibt keinen Fluss und kein Meer an der Grenze Europas, in dem wir Geflüchtete nicht ertrunken sind. Die Jahre vergehen und das Wasser wird immer noch nicht satt. Der junge Mann Fanar Osman, ein Mitglied meiner Familie, kenterte mit einem Boot am 29. September 2018 in einem Fluss an der türkisch-griechischen Grenze. Seine Familie stammt aus einem Dorf in der Rumailan-Region im Norden Syriens. Er hat mir die tragische Geschichte seiner Flucht erzählt.

„Wir hatten uns gemeinsam auf den Weg nach Deutschland gemacht. Meine Frau und ich, meine Schwester, die im 7. Monat schwanger war, und ihr Mann sowie die Verlobte meines Bruders. Wir hatten zuerst versucht, die Grenze zwischen dem Irak und der Türkei zu überqueren. Beim ersten Mal hat es nicht geklappt, trotzdem haben wir es noch einmal versucht und hatten Glück.

Wir sind nach Istanbul gefahren. Eine Woche lang sind wir dort geblieben und haben mit mehreren Schmugglern versucht, über das Meer nach Griechenland zu kommen. Einmal waren wir schon kurz vor der griechischen Küste. Aber unser Boot wurde entdeckt und zurück in die Türkei gebracht. Wir suchten weiter, bis einer der Schlepper sagte, es gäbe einen leichteren, viel einfacheren Weg als den über das Meer ..."

 
 

"Wir waren zwölf Menschen in einem Gummiboot. Gegen 3:30 Uhr in der Nacht sind wir über einen Fluss gefahren. Nach 15 Minuten haben wir bemerkt, dass Wasser ins Boot fließt. Wir hatten schreckliche Angst. Der Bootsführer hat sofort das Boot gewendet und fuhr zurück. Todesangst und Panik überfielen uns. Wir konnten nicht mehr stillsitzen und haben uns bewegt – dann kippte das Boot um. Wir versuchten uns am Boot festzuhalten, aber da ging es bereits unter. Keiner von uns trug Schwimmwesten. Die Schlepper hatten gesagt, wir bräuchten keine, denn der Weg sei ja ganz kurz. Jetzt waren wir voneinander getrennt.

Ich hatte Glück. Gott gab mir ein neues Leben. Ich war unter Wasser, aber konnte über den Grund laufen und habe irgendwie das Ufer erreicht. Ich war unverletzt und habe angefangen, die anderen zu suchen. Wenig später fand ich meine Frau. Sie hatte sich an einem Kanister aus dem Boot festgeklammert. Die anderen fanden wir nicht. Wir sind zur Polizei gegangen, aber sie glaubten uns nicht. Irgendwie schafften wir es zurück nach Istanbul, suchten einen Anwalt auf und haben ihm erzählt, was passiert war. Ihm glaubte die Polizei und schickte Rettungsmannschaften an den Fluss. Aber sie kamen zu spät: Alle anderen aus dem Boot waren ertrunken. Sie haben nur noch ihre Leichen gefunden und sie an die Eltern übergeben.

Ob ich noch einmal einen Versuch wagen werde zu fliehen? Ich weiß es nicht. Diese Entscheidung fällt mir sehr schwer. Wir hatten gemeinsam davon geträumt, nach Europa zu kommen. Wir hatten eine Zukunft geplant, in der wir in Sicherheit leben konnten. Jetzt kann ich nicht mehr daran denken, wieder auszuwandern.“

Der Fluss hat die Träume dieser Einwanderer genommen – jetzt ist ihr Leben dunkel.
Ich bin Redakteur des here-Magazins und rufe die Welt an: Retten Sie das Leben von Kriegsflüchtlingen! Lasst uns menschlich zusammenleben!

Text: Shirawan