79567981 Zeichnen über Sprachbarrieren und Grenzen hinweg – here in Bochum

Zeichnen über Sprachbarrieren und Grenzen hinweg

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Zeichnen über Sprachbarrieren und Grenzen hinweg -
Die syrische Künstlerin Diala Brisly gestaltete auf dem Festival ein Kunstwerk

– ein Text von Shirawan



Jeder Syrer in der Fremde hat eine einmalige Geschichte – seine Geschichte. Der Leser vermag sich an der Schönheit dieser Geschichte zu erfreuen, aber meistens vereint diese Geschichte auch eine bittere Note in sich. Der Held oder die Heldin ist immer der hartgesottene Syrer oder die hartgesottene Syrerin. Sie haben die verschlossenen Riegel durchbrochen und sich, am Boden der Realität angekommen, aus dem Nichts heraus wieder aufgebaut. Die Künstlerin Diala Brisly aus Damaskus ist so eine Heldin. Zu Beginn des Campfire-Festivals in Dortmund stand sie vor einer weißen Leinwand. Mit ihrem bezaubernden Lächeln schwang sie ihre Pinsel. Die Leinwand diente ihr nur als bescheidenes Mittel um den zauberhaften Schwüngen ihre Pinsel Ausdruck zu verleihen.

Diala studierte an der Universität in Damaskus Arabistik. Das Zeichnen ist jedoch ihre wahre Leidenschaft. Sie zeichnet und malt seit ihrer Kindheit. Durch einen Kollegen kam sie dann zu dem TV-Sender Spacetoon, ein Kanal für Kinder. Dort lernte sie, wie man Zeichentrickserien produziert. Im Jahr 2005 verließ sie den Sender um freiberuflich weiterzuarbeiten. Sie arbeitete bei einer syrischen Kinderzeitschrift und einem PC-Spiele-Studio in Damaskus. Zusammen mit anderen Zeichnern, versuchte Diala ein Buch über Zeichenkunst herauszugeben. Leider konnten sie dafür aber keine Druckgenehmigung bekommen.

Die ersten Zeichnungen, die sich um das Thema Krieg in Syrien drehten, zeichnete Diala im Jahr 2012. Selbstredend trugen diese Zeichnungen ihren Namen und ihre Unterschrift. Im Jahre 2013 verließ Diala Syrien aufgrund der herrschenden Kriegsumstände. Sie brauchte wieder frische Luft zum Atmen. Die Luft in Syrien war angereichert mit dem Geruch von verschossener Munition und brennenden Körperteilen. Ihre erste Station war die Türkei. Weil sie aber die türkische Sprache nicht beherrschte und keiner sinnvollen Arbeit nachgehen konnte, ging sie in den Libanon. Dort half sie den geflüchteten syrischen Kindern in den Flüchtlingslagern: Mit ihren Zeichnungen versuchte Diala die Kinder zu motivieren, in die provisorischen Schulen zu gehen und zu lernen. Nach zweieinhalb Jahren ging sie schließlich nach Frankreich. Eine französische Familie nahm sie auf und verpflichtete sich über die französische Botschaft ihr zu helfen und für sie zu sorgen.

Nun ist Diala seit acht Monaten in Frankreich. Auf eine Einladung der Organisation Correctiv, ist Diala nach Deutschland gekommen. Für Correctiv wird sie bei der Gestaltung von Bildern für ein Buch mitwirken. Diala spricht Arabisch und Englisch. Sie kann auch schon etwas Französisch und hat auf dem Campfire Festival ein paar deutsche Wörter gelernt: „Entschuldigung“, „nein“, „ja“ und „danke“! Danke Diala für dieses Gespräch und wir wünschen dir alles Gute und viel Erfolg!